Ein unheimlicher Auftrag: Stehlt die Zeit


Der Teufel hatte eine weltweite Versammlung einberufen. In der Eröffnungsansprache sagte er zu seinen Dämonen: "Wir können die Menschen nicht davon abhalten, in die Gemeinde zu gehen. Wir können sie auch nicht davon abhalten die Bibel zu lesen und dadurch die Wahrheit zu erkennen. Wir können sie aber davon abhalten, dass sie eine persönliche Beziehung, voller Liebe, zu Gott entwickeln und beten. Wenn sie dieses Verhältnis zu ihm gewinnen, ist unsere Macht über sie gebrochen. Und wenn sie beten, sind wir in Gefahr. Also, lasst sie in ihre Gemeinden gehen. Lasst ihnen ihren Lebensstil, aber stehlt ihre Zeit, so dass sie diese Liebesbeziehung zu Gott nicht aufbauen können und - auf keinen Fall - beten! Das ist mein Auftrag an euch, die Engel der Unterwelt. Lenkt sie davon ab!"

"Wie sollen wir das anstellen?" fragten seine Dämonen.

"Beschäftigt sie ständig mit der ganzen Fülle unwichtiger Nebensächlichkeiten des alltäglichen Lebens und denkt euch immer wieder etwas Neues aus, um ihre Gedanken zu beherrschen", antwortete der Teufel. "Verleitet sie dazu, dass sie viel ausgeben, viel verbrauchen und verschwenden, viel ausleihen und auch wiederum ausborgen. Überredet die Ehefrauen, sich ganz auf ihren Job zu konzentrieren und unendliche Stunden an ihrem Arbeitsplatz zu verbringen. Und überzeugt die Ehemänner davon, jede Woche sechs, am besten sieben Tage zu arbeiten, jeden Tag 10 bis 12 Stunden. Nur so können sie sich ihren sinnlosen Lebensstil leisten.

Haltet sie davon ab, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und für sie zu beten. Wenn ihre Familien schließlich auseinander gebrochen sind, wird ihr Zuhause keinen Schutz mehr bieten. Stopft ihre Köpfe so voll, dass sie die sanfte leise Stimme des Geistes Gottes nicht mehr hören können. Verführt sie dazu, ständig das Radio oder den CD-Player einzuschalten, wenn sie Autofahren. Seht zu, dass unermüdlich der Fernseher, der DVD-Player, der mp3-Player, das Handy und der Computer in ihrer Nähe laufen. Und passt auf, dass in keinem Geschäft und in keinem Restaurant dieser Welt irgendwann während des Tages oder der Nacht etwa eine schöne und harmonische Musik zu hören ist. Bombardiert sie vielmehr mit zotiger und aufpeitschender Musik, so laut ihr könnt. Das wird allmählich ihre Gedanken vergiften und die Einheit und Verbundenheit mit dem Reich Gottes und Gott selbst zerstören.

Überschwemmt die Frühstückstische mit Zeitungen und Zeitschriften. Hämmert ihnen 24 Stunden lang am Tag die neuesten Nachrichten ein. Bedeckt die Straßen mit Schildern und Plakaten für irgendwelche Produkte und redet ihnen ein, dass sie diese unbedingt zum glücklich sein brauchen. Überflutet ihre Briefkästen mit Werbung, mit Angeboten von Gratisprodukten und Diensten, die falsche Hoffnungen hervorrufen. Bildet in den Zeitschriften und auf den Titelseiten schöne, gut geformte Models ab, damit die Ehemänner immer mehr glauben, dass äußere Schönheit entscheidend ist und sie ihre Frauen unattraktiv finden. Auch das wird dazu beitragen, die Familien ganz schnell zu zerstören.

Lasst sie auch nicht im Urlaub zur Ruhe kommen. Gebt euch alle Mühe sie ständig abzulenken und zu beschäftigen, so dass sie erschöpft und voller Unruhe zurück zu ihrer Arbeit gehen. Seht zu, dass sie sich nicht durch Spaziergänge und Wanderungen an der Natur erfreuen und auf keinen Fall etwa Gottes Schöpfung bewundern. Schickt sie stattdessen in Vergnügungsparks, Discos, in Sportveranstaltungen, Konzerte und ins Kino. Euer Ziel muss sein, dass sie beschäftigt, beschäftigt und noch einmal beschäftigt sind. Dass sie nur ja keine Zeit mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und mit Gott verbringen.

Und wenn sie sich mit anderen Menschen treffen, dann lasst sie nicht über Gott sprechen, sondern füllt ihre Gespräche mit Klatsch, Tratsch und Small Talk, so dass sie sich mit einem schlechten Gewissen und unguten Gefühl verabschieden. Vor allem sage ich euch immer wieder, haltet sie davon ab, dass sie Zeit zum Beten finden, Zeit, um mit Gott zu sprechen, ihn zu loben und zu preisen. Ich kann das Gejaule nicht ausstehen, es macht mich wahnsinnig!

Lasst ja nicht ab in euren Bemühungen. Sie müssen immerzu überbeschäftigt sein, damit sie keine Evangelisation veranstalten und Seelen für Gott gewinnen können. Liefert ihnen für diesen angeblichen Mangel an Zeit so viele gute Entschuldigungen, dass sie sich keine Kraft mehr von Gott holen. Bald werden sie aus ihrer eigenen Kraft leben und ihre Gesundheit, ihre Familie und Gott für die Sicherheit, das Ansehen vor der Welt und ein gutes Gehalt opfern. Es wird funktionieren!"

Es war ein tolles Treffen. Die Dämonen gingen eifrig an ihren Auftrag, die Menschen überall auf der Welt noch mehr als bisher zu beschäftigen, zu jagen und ihnen noch mehr einzuflüstern, sie müssten hierhin und dorthin rennen.


Quelle:

Geistiges Leben Heft 5 (Sept./Okt. 2005), S. 55f., Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik, Herausgeber: Lorber-Gesellschaft e.V.